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- Presseerklärung
Brief Ilan Pappes an den Oberbürgermeister Ude
28. Oktober 2009
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
ich bin erschüttert und beleidigt durch Ihre Entscheidung, meinen von der Gruppe SALAM-SHALOM organisierten Auftritt im Pädagogischen Institut des Schul- und Kultusreferats der Landeshauptstadt München - vom 23. bis zum 25. Oktober 2009 - abzusetzen.
Mein Vater wurde als deutscher Jude in ähnlicher Weise in den frühen dreißiger Jahren zum Schweigen gebracht, und es ist traurig, Zeuge der Wiederkehr der gleichen Zensur im Jahre 2009 zu sein. So wie ich heute wurden mein Vater und seine Freunde als „humanistische“ und „friedensorientierte“ Juden angesehen, deren Stimme erstickt und unterdrückt werden musste.
Ich bin ein Professor der Geschichtswissenschaften in leitender Position an einer der angesehensten Universitäten Großbritanniens. Ich wurde [ von der Münchner Friedensgruppe ] nicht nur als professioneller Historiker, sondern auch als Friedensaktivist eingeladen. Nirgendwo sonst in Europa, nirgendwo auf der ganzen Welt, habe ich eine derart repressive Haltung und eine solche Bereitschaft zur Unterwerfung angesichts der Einschüchterung durch einige wenige Leute erlebt, die sich anmaßen, Repräsentanten der jüdischen Erfahrung und Katastrophe zu sein. Wenn überhaupt, dann wurde das Andenken meiner Familie und vieler weiterer Juden missbraucht, indem man mir als unmittelbarem Abkömmling nicht erlaubte, frei in Deutschland zu reden. Ich bin weniger besorgt um meine persönliche Redefreiheit, die mir - wie gesagt - großzügig und selbstverständlich überall in Europa gewährt wird, als vielmehr – wie es jeder anständige Mensch sein sollte – um den Zustand der Redefreiheit und der Demokratie im gegenwärtigen Deutschland.
Ich bin mir sicher, dass die Stadt München in der Rückschau erkennen wird, dass diese Zensurmaßnahme ein schlimmer Fehler war, der allerdings wiedergutgemacht werden kann – indem man mich neuerlich in das Institut einlädt.
Hochachtungsvoll
Professor Ilan Pappe
Übersetzung aus dem Englischen von Jürgen Jung.